- Interview: Lioba Schneemann
- Fotos: 4seasons z.V.g.
Kurzprofil
4seasons
c/o Salome Thommen
Peter Ochs-Strasse 24
4059 Basel
Was essen wir heute?
Diese Frage stellt sich jeder und jede, der selbst einkauft und kocht. Manchmal fehlen schlicht gute Ideen, und manchmal ist es das Geld, das knapp ist. Und dabei will man sich doch ausgewogen ernähren und auf die Umwelt achten!
Kein Problem – finden Salome und Madlen von 4seasons. „Genau da wollen wir mit unseren Kursen ansetzen: Allen, jedoch vor allem einkommensschwachen Menschen, aufzeigen, wie es gelingt, nachhaltig und gesund zu kochen.“
Nachhaltiges Leben setzt im Alltag an und beginnt morgens schon auf dem Frühstücksteller. Wenn wir mehr über unsere Ernährungsgewohnheiten wissen, können wir unseren ökologischen Fussabdruck im Alltag verkleinern. Jedoch braucht es mehr als nur Kochkenntnisse, sind die Macherinnen von 4seasons überzeugt. Denn das Wissen über den Anbau, die Produktionsweise und die regionalen Einkaufsmöglichkeiten hilft zu entscheiden, wann man wo und was kaufen kann. „Wir wollen das Bewusstsein schärfen und Verhaltensänderungen bewirken. Schliesslich hoffen wir, dass die in der Küche gemachten Erfahrungen auch an Familie und Freunde weitergegeben werden.“

„Wir müssen in Zukunft anders einkaufen, kochen und essen“, findet Madlen. „Der hohe Verschleiss an Lebensmitteln ist unhaltbar: Ein Drittel wird weggeworfen, und fast zur Hälfte sind es die Privathaushalte, die zum Food Waste beitragen.“ Dabei wird natürlich auch Geld verschwendet. Zudem essen wir zu viele tierische Produkte, was sich weltweit u.a. auf den Wasserverbrauch, die Anbaumethoden und den Einsatz von Spritzmitteln auswirkt und am Ende mitverantwortlich ist für den Klimawandel und die Naturzerstörung. „Wir kochen vegetarisch, sind aber nicht radikal. Wir wollen zeigen, dass man ohne Fleisch und tierische Produkte fein kochen kann und welche Alternativen es gibt.“
Dass man Neues am besten erlernt, indem man es in einer Gruppe mit viel Freude und Kreativität ausprobiert, weiss Salome aus Erfahrung. Die Kurse, die die jungen Frauen anbieten, sind denn auch geprägt von Neugier, Spass und Lust am Entdecken, und natürlich auch von den Teilnehmenden selber. Damit sind sie immer wieder anders. Das sei für sie sehr motivierend und treibt ihr Engagement an. Sie wollen etwas bewirken und dies in Kombination mit dem Kochen – für die beiden Kochexpertinnen scheint ein Traum in Erfüllung gegangen zu sein. Zentral ist, kein „theoretisches Konstrukt“ zu bieten, sondern die Menschen ganz praktisch im Alltag abzuholen und zum Handeln anzuregen.

Die Kurse in der Kochnische in der Basler Markthalle sind vielseitig, mal steht Wintergemüse, Einmachen, Smoothies oder indische Küche auf dem Programm, mal wird ein Markttag oder eine Pilzexkursion organisiert, gefolgt von einem Workshop zu Food Waste oder zu Urban Gardening. Dabei kommen auch Fachleute und Produzent/innen zu Wort, die ihr Wissen über Anbau und Verarbeitung vermitteln.
Der Erfolg von 4seasons bleibt nicht aus: Die in der Regel dreistündigen Kurse sind gut besucht. Was als studentisches Projekt an der Universität Basel begann, hat sich inzwischen zu einem Angebot entwickelt, das seit dem Jahr 2016 unter anderem von der Christoph Merian Stiftung unterstützt wird. Zudem werden viele Kurse in Partnerschaften mit Institutionen wie „Schlemmergärten“, einem Projekt der Kontaktstelle für Arbeitslose, HEKs, AMIE und Pro Senectute Schweiz angeboten. Man darf gespannt sein, was Madlen und Salome von 4seasons in Zukunft so alles aushecken.