- Text: Yvonne Kiefer-Glomme
- Fotos: Roland Schmid
Kurzprofil
Sternenhof – Leben und Wohnen im Alter
sternenhof.ch
Menschen mit körperlichen, psychischen oder demenziellen Einschränkungen oder Suchterkrankungen sind häufig nicht mehr in der Lage, allein einen Spaziergang zu machen oder ein Glace essen zu gehen. Zudem ist ihr Aktionsradius oft begrenzt, weil sie sich durch die vielen Passanten und die zahlreichen Eindrücke im Tram oder der Innenstadt überfordert fühlen. Daher freut sich Dominique Marx, Leiterin Alltagsgestaltung, dass sie den insgesamt gut 200 Bewohnenden der Stiftung Sternenhof neben gemeinsamen Busausflügen und Ferienaufenthalten seit dem Frühjahr 2024 auch Velotouren mit der hauseigenen E-Rikscha offerieren kann. «An jedem unserer fünf Standorte ist der monatliche Rikscha-Tag ein besonderer Höhepunkt für unsere Bewohnenden. Sie geniessen das Gefühl von Freiheit, wenn sie den Fahrtwind im Gesicht spüren, und freuen sich über die willkommene Abwechslung in ihrem Alltag und die Schönheit der Natur. Zudem schätzen sie die Eins-zu-Eins-Betreuung, wenn wir uns unterhalten, während ich sie die Rheinpromenade entlangfahre.»

Das Ziel der Ausflüge ist abhängig vom jeweiligen Wohnort der Fahrgäste.
Die Wohngruppen und Alterswohnungen des Sternenhofs liegen in der Aeschenvorstadt, am Luzernerring, im Gundeli, in St. Johann und im Hirzbrunnen. Entsprechend ist das Ziel der elektrisch unterstützten Veloausflüge abhängig vom jeweiligen Wohnort der Fahrgäste. Von der Vogesenstrasse aus etwa unternimmt Marx – zugeschnitten auf die Bedürfnisse und Wünsche der Bewohnenden – meist Fahrten in den Kannenfeldpark oder eine Rundfahrt durch den St. Johanns-Park bis nach Hüningen, über die Dreiländerbrücke nach Weil am Rhein und zurück nach Basel. Besonders beliebt bei ihren Passagierinnen ist die kleine Verschnaufpause unterwegs – zum Essen, Kaffeetrinken oder für ein gemeinsames Picknick. «Häufig führen diese Zwischenstopps zu Gesprächen mit Passanten, so dass unsere Bewohnenden Kontakte knüpfen und ein wenig Normalität leben können. Die Ausfahrten sind ein Erlebnis für sie, aus dem sie Kraft schöpfen und das sie aufblühen lässt», erzählt die 57-Jährige enthusiastisch. Nur schon der Anblick des Gefährts erfreue die Bewohnenden. Sogar ein ängstlicher älterer Herr, der normalerweise nie an den Ausflügen des Sternenhofs teilnehme, sei schon ihr Fahrgast gewesen. «Solche Momente, bei denen sich selbst eher verschlossene Bewohnende öffnen, motivieren uns, unser Angebot weiter auszubauen», so die gelernte Fachfrau Betreuung. In einem nächsten Schritt möchte sie gerne «Laufgruppen» einrichten, um gemeinsame Spaziergänge im Quartier zu ermöglichen.

Seit April 2024 besitzt die Stiftung Sternenhof eine E-Rikscha für Veloausflüge.

Die Bewohnenden schätzen die Eins-zu-Eins-Betreuung während des gemeinsamen Ausflugs.
Während der Freizeit hält sich Dominique Marx ebenfalls gerne draussen auf. In ihrem Garten pflanzt sie alte Obstbaumsorten an und betätigt sich als Hobbyimkerin. Zudem stellt sie Kosmetik- und Reinigungsprodukte aus natürlichen Rohstoffen her. Bei den kreativen Aktivitäten im Sternenhof wie etwa dem gemeinsamen Basteln für den Weihnachtsmarkt setzt sie auf natürliche Materialien. «Wir möchten nicht nur achtsam mit den uns anvertrauten Menschen umgehen, sondern auch mit der Umwelt.» Fast alle der 250 Mitarbeitenden kommen mit dem öffentlichen Verkehrsmittel oder dem Velo zur Arbeit. Zudem hat die Stiftung auf dem Dach des Wohngebäudes am Luzernerring eine Fotovoltaikanlage installiert und im Rahmen einer Studienarbeit der IWB den Energieverbrauch des Standorts untersuchen lassen. Daraufhin wurden die Lichtquellen im gesamten Sternenhof auf LED umgerüstet und die Wärmepumpen in allen Liegenschaften ausgetauscht oder neu eingestellt. «Durch diese und viele weitere kleine Massnahmen konnten wir unseren Energieverbrauch deutlich senken, ohne das Wohlbefinden unserer Bewohnenden zu beeinträchtigen.» Denn so wichtig Umweltanliegen seien, die Lebensqualität der betreuten Menschen stehe im Mittelpunkt ihrer Arbeit, betont Dominique Marx.
Weitere Porträts
Manuel Herzog
84 Prozent unseres Abfalls stammt aus dem Abbruch von Häusern. Das müsste nicht sein: Die Bauteilbörse Basel rettet intakte Lavabos und Fenster und platziert sie wieder in Neubauten. Gleichzeitig integrieren Manuel Herzog und sein Team stellenlose Menschen in den Arbeitsprozess.

Andreas Biedert
Cashtronic kauft und verkauft gebrauchte Elektrogeräte. Mit diesem Geschäftsmodell sorgt Inhaber Andreas Biedert dafür, dass funktionstüchtige Apparate nicht vorzeitig entsorgt werden oder ungenutzt in der Schublade verstauben.

Ladina Ingold, Katharina Scheller
Wie stark Flyer, Broschüren und Bücher die Umwelt belasten, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Die Grafikerinnen Ladina Ingold und Katharina Scheller haben sich in das Thema vertieft und wissen, wie Drucksachen nachhaltiger werden können.

Emmanuel Oertlé
Emmanuel Oertlé ist auf dem Novartis Campus Ansprechperson für alles, was mit Umweltschutz und Nachhaltigkeit zu tun hat. Um herauszufinden, ob eine Massnahme oder ein Produkt nachhaltig ist, erstellt er zuerst eine Ökobilanz. Für ihn gelten klar definierte Nachhaltigkeitsregeln. Vor allem muss eine Massnahme messbar sein.

Stephan Gutzwiller und Fridolin Königsberger
Mit Holz heizen – und dabei sogar klimapositiv sein: Das ist die Vision des Umweltwissenschaftlers und Energieingenieurs Stephan Gutzwiller und seiner Mitarbeiter bei der Firma Pyronet. Ihre Pyrolyse-Heizungen produzieren neben Wärme auch Pflanzenkohle. Mit dieser lässt sich nicht nur die Fruchtbarkeit der Böden verbessern, sie dient auch als langfristiger CO2-Speicher.

Eva, Ben, Günther, Bettina, Björn, Cyrill, Jenny
Mit Superblocks werden Quartiere nicht nur für die Bewohnerinnen und Bewohner lebenswerter. Die verkehrsberuhigten Strassen verbessern auch das Stadtklima. Eine Gruppe im St. Johanns-Quartier will das Konzept, das in Barcelona bereits Erfolg hat, auch in Basel umsetzen.

Pinkas Kopp
Pinkas Kopp ist im Zoo Basel mit Leidenschaft bemüht, Ressourcen zu schonen und die Energiewende umzusetzen. Dabei stehen auch der sparsame Umgang mit Wasser und die Umnutzung bestehender Strukturen im Fokus.

Florin Schaffner
Viele Liegenschaften könnten mit Photovoltaik ausgerüstet werden. Legen die Eigentümerinnen und Eigentümer selbst Hand an, können die Erstellungs- und Betriebskosten tief gehalten werden, so das Prinzip der Energiewendegenossenschaft Basel.

Martin Krumm, Lastwagenchauffeur
Martin Krumm ist Strassentransportfachmann EFZ aus Basel – er selbst sagt dazu «Lastwagenchauffeur». Das SVP-Mitglied ist im Schulrat der Primarschule Gotthelf und begeisterter Hobby-DJ und erzählt im Interview, was er von zu viel Konsum und Energieverschwendung hält und warum wir unsere Scheuklappen ablegen sollten.

Kim Berrendorf, Nachhaltigkeits-Managerin
Kim Berrendorf ist Nachhaltigkeits-Managerin bei der Baloise. Sie hat einen Master in Nachhaltiger Entwicklung der Universität Basel und gründete 2018 den Blog «KimiB.Good», um ihr Kommunikationswissen mit ihrem Know-how im Bereich nachhaltige Entwicklung zu kombinieren und gute Nachrichten zu verbreiten. Wir haben Sie im Interview zu ihren Positionen beim Klimaschutz befragt.

Lukas Oppler, StartUp-Gründer
Lukas Oppler wollte um die Welt reisen. Um seinen Traum zu finanzieren, plante er, mit einer mobilen Werkstatt unterwegs Geld zu verdienen. Um Strom für seine Werkzeuge zu haben, musste ein mobiler Stromspeicher her – er fand jedoch keinen, den er sich leisten konnte. Also sammelte er alte Akkus von Recyclingstationen, reparierte sie und baute […]

Jérôme Thiriet, Unternehmer
Als Geschäftsführer der Basler Kurierzentrale trägt Jérôme Thiriet dazu bei, die urbane Logistik ins 21. Jahrhundert zu befördern. Als Grossrat der Grünen setzt er sich für ein umweltfreundlicheres Basel ein. Im Interview erzählt er, weshalb seiner Meinung nach die individuelle Verantwortungsübernahme zwar wichtig sei, den systemischen Wandel jedoch nicht ersetzen könne.

Christoph Tanner
Photovoltaik, effiziente Energiesteuerung, integrale Haustechnik und Elektromobilität praktizierte der Unternehmer Christoph Tanner schon, als sich noch kaum jemand mit der Energiewende beschäftigte. Heute versucht er als Dozent, Lernende von der Wichtigkeit der Energieeffizienz zu überzeugen.

David Schweizer und Till Schaltegger
Das Basler Start-up Cheeky Campers von David Schweizer und Till Schaltegger will ökologisch und sozial möglichst nachhaltig handeln: Die Firma vermietet simpel ausgebaute Vans mit kleiner Küche und Bett. Die gebrauchten Kleintransporter werden mit wiederverwendeten Materialien ausgebaut.

Joël Baumgartner
«Enerjoy» heisst der digitale CO2-Fussabdruck-Coach, den die IWB vor zwei Jahren lancierten. Mit Alltagstipps und Motivationsanstössen unterstützt die App auf dem persönlichen Weg zu einem nachhaltigeren Lebensstil.

Franziska Lauper
Terre des hommes schweiz bekämpft Armut, Gewalt und Diskriminierung und setzt sich für die Rechte von Jugendlichen und ihren Familien sowie für gerechtere Nord-Süd-Beziehungen ein.

Lukas Oppler und Lysander Parodi
Batterien von E-Bikes und Elektroautos werden viel zu schnell entsorgt. Dass es auch anders geht, beweist das Team von Upvolt, das kaputten Akkus ein zweites Leben schenkt.

Katrin Loder
Die Carbotech AG, eine Umweltberatungsfirma mit Sitz in Basel und Zürich, besitzt pro Standort nur ein eigenes Firmenauto. Für die übrigen Fahrten setzen die Mitarbeitenden auf Mobility Business. Das sei nicht nur ökologischer, sondern auch finanziell absolut rentabel, sagt Katrin Loder, bei Carbotech unter anderem zuständig für den Personalbereich.

Martin Heer
Der Pneu ist platt, die Bremsen quietschen und das Licht ist wieder mal k. o. Der Fahrradmechaniker Martin Heer zeigt in seinem Veloflickkurs, wie wir den Drahtesel in Eigenregie wieder auf Vordermann bringen.

Heinrich Degelo
Heinrich Degelo errichtete in der Erlenmatt Ost das schweizweit erste Wohngebäude, das ohne Heizung auskommt. Der Mietzins liegt erst noch deutlich unter dem städtischen Durchschnitt. Mit einer Wohngenossenschaft möchte der Architekt dieses minimale Wohnkonzept weiterentwickeln.

Frieder Tschopp
Braucht es ein Auto, um den Grosseinkauf oder den neuen PC nach Hause zu bringen? Nicht unbedingt: Mit einem Cargobike lässt sich das ebenfalls erledigen. Wer selbst keines hat, kann in Basel über Carvelo2go ein Leihexemplar mit Elektromotor nutzen. Auf diese Weise transportierte Frieder Tschopp nicht nur seine Kinder, sondern auch seine Bienen.

Jérôme Thiriet
Als Velokurier trägt Jérôme Thiriet dazu bei, die Stadt Basel ein Stück leiser und sicherer zu machen. Als CEO der Kurierzentrale und für die Grünen im Grossen Rat setzt er sich für ein umweltfreundlicheres Basel ein.

Christoph Seiberth
Nachhaltigkeit, erneuerbare Energien, CO2-Reduktion: Diese Begriffe dominieren seit einiger Zeit die Schlagzeilen. Im Ökozentrum in Langenbruck befasst man sich bereits seit fast 40 Jahren mit diesen Themen. Bereits seit 2006 arbeitet der Geschäftsführer Christoph Seiberth für das einzigartige Laboratorium im Baselbiet.

Christoph Keller
Der Verein wettstein21 setzt für den Wandel hin zu einer umweltgerechten, CO2-neutralen und sozial nachhaltigen Welt auf Kleinräumigkeit: Rund um den Initiator und Vereinspräsidenten Christoph Keller realisieren die Mitglieder im Wettstein-Quartier verschiedene Projekte, die dieses Ziel verfolgen.

Till und Elena
Seit Ende Dezember 2018 folgen auch in Basel tausende junge Menschen dem Beispiel Greta Thunbergs: Sie streiken für eine wirkungsvolle Klimapolitik. Till und Elena stehen stellvertretend für eine aktuelle Bewegung, die, so hoffen alle, weite Kreise zieht.

Dominic Eicher
Um die globale Erderwärmung auf 2 Grad zu begrenzen, müssen etwa 80% der bisher bekannten fossilen Brennstoffreserven unter der Erde bleiben. Das Wissen um die Zusammenhänge zwischen Klimawandel und fossilen Brennstoffen und die Geburt seiner Tochter haben Dominic Eicher dazu gebracht, sich bei Fossil-Free zu engagieren. Konkret will er erreichen, dass sich die Basler Pensionskasse […]

Rosmarie Wydler-Wälti
Die Erde schwitzt und fast alle schauen zu? Mitnichten! Auch Seniorinnen werden aktiv und klagen gegen den Staat. Rosmarie Wydler-Wälti, Co-Präsidentin der KlimaSeniorinnen, erklärt, wofür sie und ihre Mitstreiterinnen sich einsetzen.

Stephanie Fuchs
Stephanie Fuchs engagiert sich für eine klimakühlende Verkehrspolitik – mit Fachwissen und ohne Angst vor herrschenden Machtverhältnissen.

Wendel Hilti
Das Verlangen nach einer fast grenzenlosen Mobilität steigt. Menschen wollen immer mehr und überall mobil sein. Doch wie löst man dieses Bedürfnis, wenn der Verkehr bereits ausgelastet ist und Parklücken schwer zu finden sind? Ohne eigenes Auto lässt es sich leichter leben, findet Wendel Hilti. Denn Autoteilen schont die Umwelt und reduziert den Verkehr.

Roland Chrétien
Damit Strassen in Basel-Stadt und Basel-Landschaft im Alltag velofreundlich sind und bleiben, denkt «Pro Velo beider Basel» gleich von Anfang an mit. So wird Pro Velo bereits einbezogen, wenn sich eine Baustelle ankündigt, eine Strasse geplant wird oder Areale neu entstehen. Pro Velo bringt Kindern und Erwachsenen das Velofahren bei und organisiert seit vielen Jahren […]

Aernschd Born
Er sei ein neugieriger Mensch. Und man müsse etwas ausprobieren, statt lange darüber nachzudenken. Das Leben des Basler Liedermachers und Anti-AKW-Aktivisten Aernschd Born, in dem Musik und Politik stets zentral waren und sind, zeigt, dass dies mehr als leere Worte sind.

Stephan Gutzwiller
Stephan Gutzwiller, Umweltnaturwissenschaftler und Energie-Ingenieur, ist eigentlich per Zufall auf Pflanzenkohle gestossen. In seiner Werkstatt im Gundeldinger Feld entwickelt er seit einigen Jahren grosse und kleine Produktionsanlagen, zum Beispiel den Schweizer Pyrocook – eine Art moderner, schadstoffarmer Kohlenmeiler.

Andreas Stäheli, Bruno Jagher
Wir Zweibeiner sind primär Fussgänger. Damit das nicht vergessen geht, setzen sich Andreas Stäheli und Bruno Jagher vom Verband Fussverkehr Region Basel engagiert für die Rechte der Fussgängerinnen und Fussgänger und eine fussgängerfreundliche Verkehrspolitik ein.

Beat von Scarpatetti
Beat von Scarpatetti ist sich sicher: Der Klimawandel ist auch ein Kulturwandel. So sind vor allem die Kulturwissenschaften in der Pflicht, Position zu beziehen und den Klimawandel zu bekämpfen. Er selber macht den ökologischen Unsinn einfach nicht mit – und fährt zum Auftritt seines Orchesters mit Bahn und Schiff nach Griechenland.

Fabian Müller
Weg vom stinkenden Benzingenerator – hin zum solarbetriebenen DJ-Pult im Velo-Anhänger. Was als Master-Arbeit gedacht war, hat sich zum Ecodesign-Projekt entwickelt, welches zeigen soll, dass man Open-Air-Partys auch umweltfreundlich gestalten kann.
