Schällmanns Klinik für Elektronik

Werner Schällmann Ressourcen
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  • Text: Jasmine Schweizer
  • Fotos: Jasmine Schweizer

Kurzprofil

Reparaturland
St. Johanns-Ring 143
4056 Basel
Mi.-Fr. 13:30 – 19:00 Uhr
061 381 80 00
reparaturland(at)bluewin.ch

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Werner Schällmann

1/9 Stolzer Inhaber seit acht Jahren: Werner Schällmann vor seinem «Reparaturland».

Schällmanns Klinik für Elektronik

Werner Schällmann, «Reparaturland»

Nähmaschinen, Stereoanlagen und Akku-Rasierer: Es gibt kaum ein Gerät, das Werner Schällmann nicht reparieren kann. Das hat sich herumgesprochen: Der gelernte Chemikant ist inzwischen schweizweit bekannt und kann sich vor Aufträgen kaum retten.

Werner Schällmann
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Das «Reparaturland» befindet sich neben einem türkischen Lebensmittelladen und einer Bankfiliale am St. Johanns-Ring. Im Schaufenster stapeln sich Drucker, Küchenmaschinen und Kassettenrekorder. Im Ladeninnern, auf der Theke, steht neben dem «Bitte Abstand halten»-Schild ein silbrig glänzender Toaster im schicken Retrolook. Werner Schällmann, der Inhaber des Geschäfts, repariert seit acht Jahren fast alles: «Die beste Werbung für mich ist, wenn die Ampel, die gleich vor meinem Geschäft den Verkehr regelt, auf Rot springt.» Denn dann warten am Burgfelderplatz gezwungenermassen Velofahrerinnen und Autofahrer und haben Zeit, um auf das kleine Ladenlokal aufmerksam zu werden.

Ich konnte mein Hobby zum Beruf machen.

Werner Schällmann

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Platz zu schaffen, ist das nächste Ziel des 62-jährigen Schällmann.

Mit dem «Kosmos»-Elektrobaukasten, den er seinerzeit von seinem Götti geschenkt bekommen hatte, baute der achtjährige Werner seinen ersten Motor zusammen. Später vergrösserte er die Lautsprecher im Kinderzimmer und frisierte als Teenager sein Töffli. Seither hat ihn sein Interesse für Elektronik nicht mehr losgelassen. 30 Jahre lang arbeitete der Basler in der Chemischen Industrie und half nebenbei gelegentlich im Geschäft eines Kollegen beim Reparieren von Radios und Stereoanlagen. Aufgrund einer Reorganisation wurde ihm im Alter von 50 Jahren gekündigt. Nach einem vierwöchigen Trip quer durch Australien und anderthalbjähriger, erfolgloser Stellensuche eröffnete er 2012 sein «Reparaturland» am Burgfelderplatz: «Ich konnte mein Hobby zum Beruf machen.»

Ich repariere keinen Wasserkocher, wenn sich der Kunde dafür zwei neue kaufen kann.

Werner Schällmann

Werner Schällmann

Werner Schällmann kann zu jeder Schraube eine Geschichte erzählen.

Heute kann er sich vor Aufträgen kaum retten. Seine Kundinnen und Kunden teilt er in drei Kategorien ein: «Die meisten bringen die Geräte entweder zu mir, weil die Reparatur günstiger ist als eine Neuanschaffung. Oder sie möchten den eigenen ökologischen Fussabdruck verkleinern und weniger Abfall produzieren.» Dazu kommen die besonderen Fälle der dritten Gruppe, die ihren uralten Lieblingsradio oder die Retro-Nachttischlampe aus reiner Nostalgie von Schällmann reparieren lassen. Ob das Plastikpüppchen auf der Spieldose, das verstaubte Aufnahmegerät aus dem Keller oder der singende Weihnachtselch mit seinen wackelnden Ohren: Der gelernte Chemikant nimmt sich allem an und versucht sein Bestes, der Mechanik und Elektronik wieder Leben einzuhauchen. Für den Grossteil seiner Aufträge findet er eine Lösung. Scheitert Schällmann doch einmal, liegt es meist an den fehlenden Ersatzteilen. «Die Schweiz ist eine Servicewüste», meint der 62-Jährige. Hiesige Firmen seien nur noch auf den Vertrieb ausgerichtet. Ist die Kaffeemaschine oder das Radio kaputt, bleibe dem Kunden nach Ablauf der Garantie oft nichts anderes übrig, als ein neues Gerät zu kaufen. Einzelteile wie Schrauben, Knöpfe und Schläuche können nur selten beim Hersteller oder der Schweizer Niederlassung bestellt werden. Werner Schällmann besorgt sich dann den nötigen Ersatz auf Ebay, Ricardo oder bei Händlern aus verschiedensten Ländern. Samstags durchstöbert er die Basler Flohmärkte. Bei gewissen «Patienten» sieht sich der Fachmann allerdings gezwungen, den Besitzerinnen von einer Reparatur abzuraten. «Ich repariere keinen Wasserkocher, wenn der Kunde sich für dieses Geld zwei neue kaufen kann.» Und haftet der Spezialleim nicht auf der Plastikklappe des CD-Rekorders, empfiehlt er stattdessen sein breites Occasionsangebot. Denn besonders während  der Coronapandemie misten die Leute nicht nur ihre Kleider, sondern auch ihre alten und überzähligen Elektroapparate aus. Diese werden geprüft, gereinigt, wenn nötig repariert und erhalten so ein zweites Leben. Erst am Tag zuvor ist wieder eine grosse Ladung im «Reparaturland» eingetroffen.

Ich lebe von der guten Reputation.

Werner Schällmann

Jemand hält ein Kunststoffkabel in den Händen

Mit diesem Kunststoffkabel lässt sich für jedes Gerät einen Riemen basteln.

Meistens gelingt es dem kräftigen Mann mit den kurzen, weissen Haaren, das Bügeleisen wieder zum Dampfen zu bringen. Dann hört er oft ein dankbares «Ich bin so froh, dass es Sie gibt». Diese Wertschätzung macht die aufwendige Jagd nach den Ersatzteilen wieder wett. Werner Schällmann erledigt auch Aufträge im Haushalt, wenn zum Beispiel eine Lampe aufgehängt oder eine Schublade repariert werden soll. Auch der alten Dame im gegenüberliegenden Altersheim hat er die quietschenden Rollator-Räder geölt. «Ich lebe von der guten Reputation.» Seit Kurzem hilft eine junge Frau mit einem Flair fürs Technische dem Reparaturmann stundenweise bei der Arbeit. In acht Jahren geht Schällmann in Pension. Gut möglich, dass dann eine studierte Juristin hinter der Theke des «Reparaturlandes» stehen wird.

Publiziert im September 2020

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